Clez braucht Musik

Heinrich Schütz, 2 Psalmen & Johannes Brahms - Ein deutsches Requiem

Der Sphaerische & Der Ernsthafte

Schütz waere 100 Jahre aelter als (J.S.) Bach gewesen, haette er dessen Geburtsjahr noch erlebt, trotzdem finde ich, das die Harmonik oft viel moderner und gewagter klingt als die von Bach. Freier ist vielleicht der bessere Begriff, oder eben “sphaerischer”. Ich kenn mich bei Schuetz nicht so gut aus, von Schütz gibt es aber ne ganze Menge Psalmen und Motetten, da kann man sich schon mal quer durchhoeren.

Ich liebe das Brahms-Requiem. Ich hatte schon zweimal die Freude, es im Chor mitzusingen (Bach Chor FFB und Singakademie) und in der BSA habe ich sogar mal in der Probe das Baritonsolo under Peter Dijkstra’s (Leiter des BR-Chores) Dirigat gesungen.
Die Harmonik ist unglaublich, superviele rhythmische Verschiebungen und dann immer wieder wunderschoene homophone Stellen, geile Solopartien, das Stueck koennte so manchen zu Gott finden lassen, glaube ich, es nimmt einem auf jeden Fall ein wenig die Angst vor dem Tod, finde ich.

Auf dem Blog vom Luzern-Festival liest man:

Der Wiener Musikhistoriker Guido Adler, um ein präzises und gerechtes Urteil bemüht, kam zu dem Schluss, Brahms sei «tiefreligiös, als Lutheraner dem evangelischen Kulturkreis zugehörig, bibelfest, infolge seiner Abneigung gegen dogmatisch-geschlossene Konfessionen überkonfessionell, tolerant bis zur Freigeistigkeit, freiheitlich, freisinnig».

Die Brahms-Aufnahme finde ich bemerkenswert gut gesungen und vor allem auch aufgenommen, deswegen hab ich auch diese CD ausgewaehlt, der Schütz ist also eher zufaellig mit drauf gelandet.

Giuseppe Verdi - Requiem & Anton Bruckner - Te Deum

Die zwei Lauten (mit ordentlich Soli).

Beides natuerlich bombastische Werke, ordentliche forti, Riesenaufgebot an Saengern und Instrumentalisten.

Der Verdi auch mal subtil, aber vor allem ziemlich dramatisch, das Dies Irae ist sehr krass, macht auch ungemein Spass, das zu singen.

Der Bruckner meiner Meinung nach manchmal fast dramatischer als der Verdi, aber auch auf eine direktere Art, definitiv ein bisschen weniger subtil und pointiert, halt nicht so italienisch. Das “In te, Domine, speravi” ist ganz klar eines meiner Lieblings-Solistenquartette.

Vom Bruckner sollte es auch bessere Aufnahmen geben, die Verdi-Aufnahme finde ich ziemlich nice.

Arvo Pärt - Berliner Messe (& einige andere Sachen)

Der Ungewoehnliche

Wenn ich oben Schütz sphaerisch genannt habe, dann kann ich das hier eigentlich nur wiederholen, auch finde ich, dass Schütz und Pärt musikalisch sehr gut zusammenpassen.
Das ist keineswegs 12-Ton Musik, aber dennoch eine sehr spezielle, interessant modern klingende Tonalitaet, ein aussergewoehnlicher Stil.

Wikipedia sagt:

Diese neue Sprache, die für diese Epoche seines Lebenswerk bestimmend ist, nannte er Tintinnabuli-Stil. Tintinnabulum (lateinisch) bedeutet Glöckchenspiel. Gemeint ist das „Klingeln“ des Dreiklangs, dessen drei Töne das ganze Stück über mittönen. Das Ziel dieses Stils ist eine Reduktion des Klangmaterials auf das absolut Wesentliche.

Kompositionstechnisch bestehen Pärts Tintinnabuli-Werke aus zwei Stimmen: Eine Stimme besteht aus einem Dur- oder Moll-Dreiklang, die zweite ist die Melodiestimme, die nicht zwingend in derselben Tonart steht wie die erste. Beide Stimmen sind durch strenge Regeln miteinander verknüpft.

Der kleinste musikalische Baustein ist der Zweiklang, weshalb auch die Melodiestimme aus zwei Stimmen besteht. Die daraus entstehenden Gebilde entbehren trotz der Einfachheit des Materials und dem Ziel der Reduktion auf das Wesentliche nicht der Komplexität.

Mit Hilfe alter Techniken wie des Proportionskanons entwickelt er Formen, die durch ihre Regelmäßigkeit große Ruhe ausstrahlen. Die Statik der Dreiklangtöne repräsentiert die Ewigkeit, die Dynamik des Melodischen die Vergänglichkeit der Zeit.

Von der Berliner Messe gibt’s leider nicht so viele Aufnahmen auf Spotify, aber ich finde die ganz gut soweit.